Homo Sapiens Medusa
Anatomische Besonderheiten
Die Homo Sapiens Medusa praktizieren eine verlängerte und tiefere Atmung (Inspiration ca. drei, Expiration ca. zwei Minuten). Sie haben eine grössere Lunge und mindestens die doppelte Anzahl Lungenbläschen im Vergleich zum Homo Sapiens Sapiens. Aus diesem Grund haben sie auch einen vergrösserten Brustraum.
Vermutungen legen nahe, dass die Medulla oblongata (auch Markhirn oder Nachhirn genannt) bei Medusen-Menschen besonders ausgebildet ist, wenn es auch dafür keine sichtbaren Hinweise gibt.
Erweiterte Atmung
Die spezielle Art der Atmung scheint ihr Denken zu beeinflussen. Sie würden viel weniger denken und befänden sich in komplexen Zuständen von Leere, wird uns berichtet. Sie seien energetisch viel durchlässiger, als wir es kennen, mehr Membran. Medusen-Individuen lassen sich wohl in fokussierter Absichtslosigkeit treiben. Ihre Zustände wechseln fliessend von einem „Fallen, ohne je aufzustossen“ zu „gefühlter Schwerelosigkeit“. Sie scheinen in einem kontinuierlichen Gegenwärtigen zu leben. Wir vermuten in ihnen "Meister des Vergessens". Vermutlich ist ihr Unterbewusstes weniger überfrachtet als das des Homo Sapiens Sapiens.
Hören
Mit angehaltenem Atem hören sie verstärkt, vielleicht so wie wir unter Wasser. Sie können Erschütterungen hören und sind für feinste Klangverschiebungen und damit Umgebungsveränderungen empfänglich. Wir nehmen an, dass sie so etwas wie Echoortung nutzen. Es ist vielleicht vorstellbar, dass Homo Sapiens Medusa über ein ganz anderes Raumempfinden verfügen als wir. Ein Sehen mittels Hören, ein Erkennen und Wissen mittels akustischer Landschaften.
Sozialität als Folge biologischer Evolutionsmerkmale
Die Homo Sapiens Medusa treiben mit andern ihrer Art in losen Schwärmen. Ihre Atmungen bilden in diesen temporären Gruppierungen vielfältig geschichtete Strukturen, die sie selbst wie Hörbilder wahrnehmen [1]. Jedes dieser Individuen gibt Impulse ab und nimmt Impulse von Anderen auf. So kommt es zu Richtungs-, Spannungs- und zu Strukturveränderungen in solchen Gruppierungen. [2] Möglich,dass die Homo Sapiens Medusa hier zarte Formen intuitiver Entscheidungsfindung praktizieren. Ihre Erzählungen überlagern sich und verschlingen sich wie die Tentakelfäden der Medusen-Quallen. Sie scheinen gemeinsam zu träumen, oder sich zumindest träumend zu synchronisieren. [3]
Vermutlich können die besten Apnoetaucher der Homo Sapiens Sapiens am ehesten nachvollziehen, was für eine Wesensart die Homo Sapiens Medusa sind.
Stand der Forschung "Arbeitsgruppe Homo Sapiens Medusa"
Die Forschung zu den Homo Sapiens Medusa ist äusserst lückenhaft. Fragen, die uns weiter beschäftigen:
Wie erleben diese Menschen Zeit?
Gibt es Wiedererkennen in den „geschichteten akustischen Strukturen“? Erinnern sie diese als spezifische Muster der „Störung“ oder „Harmonie“? Oder erfahren sie alles immer wieder von Neuem? [4]
Wie entsteht dann Erfahrung bei diesen „Meistern des Vergessens“? Wie sind ihre Schlafzyklen?
Wie entsteht Zusammenhalt zwischen ihnen? Wie erfahren Medusen-Menschen Individualität (ein Begriff der Homo Sapiens Sapiens) - oder ist auch diese immer fliessend?
Einzelnachweise
- ↑ Wolfgang Welsch, „Blickwechsel. Neue Wege der Ästhetik“, Reclams Universal Bibliothek, 2012; S. 311/312: Unser Schönheitssinn (…) ist im Grunde ein Detektor von Selbstorganisation. Insofern hat er eine stark kognitive Komponente. (…) Inwiefern könnte es für unsere Vorfahen nützlich gewesen sein, Selbstorganisation intuitiv zu erkennen? (…) Es scheint so zu sein, dass uns hier – in Gestalt eines ästhetischen Sinns – die Grundlogik der physischen Welt verfügbar ist.
- ↑ Israel Rosenfield, „The Strange, Familiar and Forgotten. An Anatomy of Consciousness“, Alfred A. Knopf, New York, 1992; S. 98: In den Schichten des Gehirns sind neuronale Gruppen angeordnet, welche Hirnforscher als Karten bezeichnen. (…) Die verschiedenen Karten sind durch ein Nervengeflecht verbunden, und wenn ein bestimmter Reiz vorhanden ist, werden die Reaktionen der einzenen Karten durch wechselseitigen Signalaustausch koordiniert.
- ↑ idb. S. 100: Erkennen und Verstehen sind dynamisch, sie gehen hervor aus einem fortlaufenden Fluss von Bildern, der auf dynamischen Beziehungen beruht. (…)
- ↑ ibd. S. 96/97: Das Gedächtnis ist in unserem Zeitgefühl verwurzelt und dieses ist wiederum ein System von Beziehungen (…). Gedächtnis und Zeit sind untrennbar verbunden, und beide entstehen immer wieder neu (…).
Zu 2 und 3 siehe auch:
Wolf Singer, Matthieu Ricard, „Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog.“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., 2008; S. 91/92: Die Speicherung von Inhalten in neuronalen Netzen erfolgt nach assoziativen Prinzipien, (…). Das Equivalent eines bestimmten Engramms ist ein spezifischer dynamischer Zustand des Netzwerks, ein Zustand, der durch die spezifische raumzeitliche Verteilung von aktiven und inaktiven Neuronen des Netzwerks definiert ist.
ibd. S. 102: In der Sprache der Neuronen sind Lösungen (oder Erkennen, Anm. der Red.) nichts anderes als besondere raumzeitliche Aktivierungsmuster.
ibd. S. 104: Vielleicht ist Kohärenz die Signatur einer Lösung, vielleicht sind Lösungen Zustände hoher Synchronizität, Momente in denen weit verteilte Ensembles von Neuronen in gut synchronisierte oszillatorische Zustände einschwingen.
Weblinks
Anatomorphosen, Prozesse des Anders-Werdens, DOCK 11 Eden*****, Berlin, 2024
Auf der Suche nach den Homo Sapiens Sepia