Homo Sapiens Danaus Dromedarius
Die Homo Sapiens Danaus Dromedarius (kurz DD) haben sich an die extremen Klimabedingungen unseres Planeten physiologisch angepasst und sind dazu eine ungewöhnliche gedankliche Symbiose [1] mit gleich zwei wandernden Spezies eingegangen, dem Monarchenfalter und dem Wüstendromedar.
Die ebenso wandernden DD sind sehr ausdauernd und von hohem Gleichmut. Würden wir beim Homo Sapiens Sapiens nach solchen Qualitäten suchen, wir hätten sie am ehesten bei den frühen Nomaden der Mongolei oder den australischen Aborigines gefunden.
Anatomische Besonderheiten
DD können sehr lange ohne Wasser auskommen, und sie können in kürzester Zeit sehr viel Wasser aufnehmen ohne die Gefahr einer Wasserintoxikation (kolportiert werden 20 Liter in fünf Minuten).
Die roten Blutkörperchen der DD sind nicht rund wie beim Homo Sapiens Sapiens, sondern oval. Diese Form bewirkt eine bessere Sauerstoffaffinität und lässt sie auch in der dünnen Atmosphäre über 5000 Metern überleben. Ihre Körpertemperatur ist dynamisch; sie passt sich der Umgebungstemperatur an und kann um 6° bis 8° Celsius schwanken.
In ihrer Subdermis können diese Menschen enorme Mengen an Fett speichern. Bei maximaler Fetteinspeicherung erscheinen sie etwas rundlich, und ihre Hautoberfläche ist glatt und glasig. Sind die Fettvorräte aufgebraucht, zeigt ihre Epidermis tiefe Furchen und eine dunkel orange Färbung. Sie erscheinen dann sehr dünn und sehnig.
Durch die spezielle Ausprägung ihrer Nasenschleimhäute, mit denen sie Wasserdampf aus der Atemluft resorbieren können, „fühlen“ die DD die Feuchtigkeit von Pflanzenknollen und Wurzeln im ausgedörrten Boden der Landschaften, die sie durchwandern. Ob sie diese Knollen und Wurzeln essen, oder sie nur als Gedankennahrung brauchen, wissen wir nicht.
Kulturelle Praxis
Die DD haben die besondere Fähigkeit entwickelt, gehend zu schlafen." [2] Im Wechsel ruht dabei ihre linke oder rechte Gehirnhälfte. Sie lassen sich vom Takt ihres Herzschlags leiten und scheinen diesen mit ihren Schritten zu synchronisieren. Einen Teil ihrer fast unerschöpflichen Energie beziehen sie wohl aus dieser Praxis.
Über ihre Zeitwahrnehmung wissen wir nichts.
Die DD wandern meist in Gruppen von 20 – 25 Individuen. Wenn sie nicht schlafend gehen, stellen sie einander neugierige Fragen. Sie verstehen ihre spezielle Art des Fragens als ein "sich gegenseitig besuchen" [3] und trainieren damit ihre Vorstellungskraft von diversesten Seinsmöglichkeiten.
Homo Sapiens Danaus Dromedarius sind ausgeprägte Rhythmus-Wesen und haben grossartige Trommler hervorgebracht. Einige ihrer Rhythmen sind leise wie Herzflattern.
Einzelnachweise
- ↑ Siehe auch: Lynn Margulis und Gaia-Hypothese, die besagt, dass die Erde und ihre Biospäre wie ein Lebewesen betrachtet werden könne, da die Biosphäre – die Gesamtheit aller Organismen – Bedingungen schafft und erhält, die nicht nur Leben, sondern auch eine Evolution komplexerer Organismen ermöglichen. Die Erdoberfläche bildet demnach ein dynamisches System, das die gesamte Biosphäre stabilisiert. Diese Hypothese setzt eine bestimmte Definition von Leben voraus, wonach sich Lebewesen insbesondere durch die Fähigkeit zur Selbstorganisation auszeichnen.
- ↑ Auch Delphine schlafen nie vollständig ein: Beide Gehirnhälften wechseln sich beim Schlafen ab (Halbhirnschlaf), die Tiere können so tagelang rund um die Uhr wachsam sein. Siehe hierzu auch: Beim Halbseiten-Schlaf sind Delphine stets wachsam
- ↑ Diese Formulierung habe ich bei der Philosophin Donna J. Haraway ausgeliehen. Sie bezieht sich in "Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene" (Duke University Press, 2016), auf Vinciane Desprets "Tugend der Höflichkeit": "Training one's imagination to go visiting", erfordert die Fähigkeit andere auf aktive Weise interessant zu finden. (Despret, V. (2005) ‘Sheep do have opinions’, in Making Things Public. Atmospheres of Democracy. Cambridge, MA: MIT Press.)